
Die Zahlen zeigen ein deutliches Bild: Laut einer Schätzung der Universität Stuttgart liegt der Frauenanteil in Bürgermeisterämtern in Deutschland nur bei etwa 13,5 %. Die Frage ist also berechtigt: Warum ist das so – und was müsste sich strukturell ändern?
Ein Teil der Antwort liegt möglicherweise auch in grundlegenden Unterschieden zwischen Menschen – sowohl psychologisch als auch biologisch. Nicht nur die menschliche Psyche ist komplex, sondern auch der Einfluss des Hormonhaushalts auf Verhalten, Motivation und Lebensprioritäten.
Testosteron kann beispielsweise bei bestimmten Persönlichkeitstypen – etwa stark extravertierten Denkerpersönlichkeiten wie sie in Modellen wie dem Ontolokey beschrieben werden (z. B. ESTJ oder ENTJ) – ein besonders dominantes und führungsorientiertes Verhalten begünstigen. Diese Persönlichkeiten neigen dazu, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und nach außen zu wirken. In typologischen Modellen wie Ontolokey, Socionics oder MBTI wird dieses Streben nach gesellschaftlichen Rollen häufig mit extravertierten Funktionsstrukturen erklärt, die Menschen zu Führungsrollen in Organisationen, Verwaltung oder Politik motivieren können.
Das bedeutet nicht, dass dies ausschließlich auf Männer zutrifft. Es erklärt aber teilweise, warum sich viele Männer häufiger in hierarchischen Wettbewerbsumfeldern wiederfinden – etwa in Politik, Verwaltung oder Führungspositionen.
Bei vielen Frauen spielen in der ersten Lebenshälfte hingegen andere biologische und soziale Faktoren eine größere Rolle. Hormone wie Östrogen und Oxytocin stehen stark mit Bindung, Fürsorge und sozialer Nähe in Verbindung. Während Schwangerschaft und Stillzeit arbeiten Körper, Hormonsystem und Psyche auf natürliche Weise zusammen, um sich auf Nachwuchs und Familie zu konzentrieren. Dieses Muster ist nicht nur beim Menschen zu beobachten, sondern auch im Tierreich.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Es gibt Frauen mit stärker kompetitiver hormoneller Ausprägung, ebenso wie Männer mit stärker sozial-orientierten Prioritäten. Auch nicht-binäre Menschen oder unterschiedliche Persönlichkeitstypen zeigen, dass menschliches Verhalten sehr vielfältig ist. Persönlichkeiten wie ENFP oder INTP beispielsweise priorisieren häufig eher Kreativität, Forschung, Reisen oder persönliche Freiheit, während andere Typen wiederum weniger Interesse an öffentlichen Machtpositionen haben.
Ein interessanter Punkt entsteht jedoch später im Leben: Viele Frauen erleben mit der Menopause eine deutliche Veränderung des Hormonhaushalts. Der Östrogenspiegel sinkt, eine Lebensphase endet, und für viele entsteht hier ein neuer Fokus auf gesellschaftliche Rollen, persönliche Entwicklung und neue Herausforderungen, auch außerhalb der Familie.
Genau hier könnte ein großes gesellschaftliches Potenzial liegen. Frauen könnten in dieser Lebensphase verstärkt Führungsrollen übernehmen – auch in der Kommunalpolitik.
Das strukturelle Problem ist jedoch: Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, fehlt vielen Frauen oft die formale Vorbereitung auf solche Positionen. Politische oder administrative Karrieren entstehen selten spontan – sie bauen meist auf Jahrzehnten Erfahrung, Netzwerken und Qualifikationen auf. Wer sich in der ersten Lebenshälfte nicht auf solche Rollen vorbereitet hat, kann sie später nur schwer erreichen.
Was müsste sich also strukturell ändern?
Frauen sollten stärker ermutigt werden, sich bereits frühzeitig mit ihrem langfristigen Potenzial auseinanderzusetzen. Wenn Menschen sehr früh verstehen, welche Persönlichkeitsstruktur sie haben und welche Rollen ihnen langfristig liegen könnten, können sie ihr Leben strategischer planen.
Wer beispielsweise bereits mit 20 Jahren erkennt, dass später gesellschaftliche Verantwortung oder Führungsrollen interessant sein könnten, hat etwa 30 Jahre Zeit, um sich darauf vorzubereiten – durch Weiterbildung, ehrenamtliches Engagement, NGO-Arbeit, lokale Initiativen oder kommunalpolitische Erfahrung.
So könnten Frauen ihre Rolle in Familie und Beruf leben und gleichzeitig schrittweise Kompetenzen aufbauen, die später auch für öffentliche Führungspositionen relevant sind.
Vielleicht liegt die Lösung also nicht nur in Quoten oder kurzfristigen Maßnahmen, sondern auch in langfristiger persönlicher Entwicklung und strategischer Vorbereitung auf die zweite Lebenshälfte.
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